{"id":3197,"date":"2024-06-05T12:45:59","date_gmt":"2024-06-05T12:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/mhgmesskirch.de\/mhg\/?p=3197"},"modified":"2024-06-05T12:53:44","modified_gmt":"2024-06-05T12:53:44","slug":"elftklaessler-wuerdigen-ernst-s-steffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mhgmesskirch.de\/mhg\/?p=3197","title":{"rendered":"Elftkl\u00e4ssler w\u00fcrdigen Ernst S. Steffen"},"content":{"rendered":"\n<p>Tief bewegende Gedichte des Lyrikers werden zusammen mit dem Heilbronner Literaturhaus und Anton Knittel auf die B\u00fchne gebracht<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.suedkurier.de\/storage\/image\/0\/5\/0\/3\/14203050_shift-1240x0_1Cka1T_DvWpKO.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"362\" src=\"https:\/\/mhgmesskirch.de\/mhg\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/SteffenBuehne.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3200\" style=\"width:838px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Isabell Michelberger, S\u00fcdkurier 24.05.2024<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer szenischen Lesung der Gedichte von Ernst S. Steffen w\u00fcrdigten die Elftkl\u00e4ssler des Martin-Heidegger-Gymnasiums im Me\u00dfkircher Schlosskeller dessen literarisches Schaffen auf bewegende und eindrucksvolle Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Autor verbrachte die fast H\u00e4lfte seines kurzen Lebens im Gef\u00e4ngnis, wo er das meiste verfasste. Die Besch\u00e4ftigung mit Ernst S. Steffen und seinem Werk kam durch die Zusammenarbeit mit Anton Knittel, Leiter des Heilbronner Literaturhauses und der Museumsgesellschaft zustande. Die Deutschlehrer Tobias Andelfinger und Simone H\u00e4gele griffen mit ihren Elftkl\u00e4sslern das Thema auf, behandelten die Lyrik von Ernst S. Steffen im Unterricht und setzten dessen Gedanken f\u00fcr die B\u00fchne ausdrucksstark in Szene. Knittel, promovierter Literaturwissenschaftler und ebenfalls Absolvent des Me\u00dfkircher Gymnasiums, stellte das Leben und Werk des Autors vor.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.suedkurier.de\/storage\/image\/1\/5\/0\/3\/14203051_shift-1240x0_1Cka1z_YZt5V5.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler w\u00e4hrend der Abiturphase eine szenische Lesung realisieren und ebenso dass sie sich mit Lyrik befassen\u201c, zeigte Christine Braun von der Museumsgesellschaft bei der Begr\u00fc\u00dfung ihren Respekt vor der Initiative. Das Werk, das Ernst S. Steffen hinterlie\u00df, ist nicht umfangreich, wird aber unter anderem von vielen Literaturschaffenden hoch gesch\u00e4tzt. Den Gro\u00dfteil seiner Lyrik schrieb Steffen im Gef\u00e4ngnis. Ihn bewegte, was es bedeutet, f\u00fcr eine lange Zeitspanne aus der Gesellschaft ausgegrenzt zu sein, sowie die Frage, wie sich eine R\u00fcckkehr gestalten k\u00f6nnte: \u201eDer erste Schl\u00fcssel \/ in meiner Hand \/ wird ein Abenteuer sein; \/ der Blick aus einem \/ unvergitterten Fenster \/ ein Wagnis mit der Balance.\u201c Sozusagen in der Gefangenschaft sozialisiert, war ihm bewusst, dass er sich als \u201efreier\u201c Mensch neu erfinden musste, blieb aber realistisch: \u201eIch werde nicht nach Hause kommen. \/ so wird es sein, \/ wenn ich nach Hause komme.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die einfachen und doch sehr tiefgr\u00fcndigen und ausdrucksstarken Worte von Ernst S. Steffen pr\u00e4sentierten die Elftkl\u00e4ssler auf beeindruckende Weise, die jedem unter die Haut ging. Das Publikum war tief bewegt von der Lyrik, dem Schicksal des Autors, als auch von der Darbietung der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die den emotionalen Aspekt betonten. Wie Anton Knittel sp\u00e4ter ausf\u00fchrte, war es der Vater des Schriftstellers Joachim Zelter, der als junger Justizassessor in der Strafanstalt Bruchsal das schriftstellerische Talent des Insassen entdeckte. Renommierte Literaten wie Arnold Stadler, der sich im Publikum befand, sch\u00e4tzen die Lyrik von Steffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"430\" src=\"https:\/\/mhgmesskirch.de\/mhg\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Anton.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3201\" style=\"width:839px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWenigstens postum, das zeigen die vielen begeisterten Einsch\u00e4tzungen von Autorinnen und Autoren kann er mit seinen Texten ankommen und uns als Leserinnen und Leser immer noch ber\u00fchren, aufr\u00fctteln, uns mit den eigenen Lebensentw\u00fcrfen konfrontieren\u201c, sagte Knittel. Er berichtete ebenfalls, wie er die Lebensgeschichte nach und nach anhand der Akten und Berichte von Nachkommen entdeckte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMich beeindruckt besonders die Geschichte mit der Gefangenschaft und dass die Gedichte im Gef\u00e4ngnis entstanden sind\u201c, erz\u00e4hlte Maik Buchholz, der an diesem Abend f\u00fcr die Technik zust\u00e4ndig war. Finn Stadler ber\u00fchrte die grausame Lebensgeschichte. \u201eWas er mitmachen musste\u201c, das bekomme man so nicht von den Menschen mit. Maximilian Fox besch\u00e4ftigte vor allem das Gedicht \u201eHeimkehr\u201c. Die Orientierungslosigkeit und dass der Autor nie ein wirkliches Zuhause hatte, sei schlimm. Der vom Krieg traumatisierte und schwer gewaltt\u00e4tige Vater, der seinen Sohn krankenhausreif pr\u00fcgelte, bewegte auch Sophia Weikart. Alle Akteure an diesem Abend fanden es sehr spannend, sich auf diese Weise mit Literatur zu besch\u00e4ftigen. \u201eEs war etwas anderes abseits des Unterrichts\u201c, so ihr einhelliges Credo.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitwirkende:&nbsp;Aaron Benkler, Sudenaz Bast\u00fcrk, Andreas Biselli, Daniel Geiger, Finn Stadler, Max Vogt, Andreas Schamber, Jannik Warken, Sophia Weikart und Nebahat Yaman. Technik: Maik Buchholz und Jonas Braunschweig. Leitung: Simone H\u00e4gele und Tobias Andelfinger.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eIch will frei sein \u2013 das darf mich das Leben kosten!\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Ernst S. Steffen&nbsp;wird als uneheliches Kind am 15. Juni 1936 geboren. Seine Eltern heiraten zwei Jahr sp\u00e4ter. Da der Vater Musiker ohne feste Auftr\u00e4ge ist, sorgt die Mutter f\u00fcr den Lebensunterhalt der Familie und reist als Vertreterin viel umher. Aus diesem Grund ist der Sohn meist auf sich allein gestellt. Die prek\u00e4re Situation der Familie ist stets belastend, schlimm jedoch wird die Situation, als der Vater traumatisiert aus dem Weltkrieg zur\u00fcckkehrt und f\u00fcr Gewaltexzesse sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktenkundig&nbsp;geworden sei Steffen sp\u00e4testens 1947 beim st\u00e4dtischen Wohlfahrtsamt, wie Anton Knittel recherchierte. Der damals Elfj\u00e4hrige habe \u00f6fter die Schule geschw\u00e4nzt, sei bei Diebst\u00e4hlen erwischt worden, habe gelogen und den Respekt gegen\u00fcber Erwachsenen vermissen lassen. Nach einem schlimmen Gewaltexzess seines alkoholkranken Vaters kommt der Sohn ins Krankenhaus und danach in eine Pflegeanstalt. Sein weiteres Leben ist gepr\u00e4gt durch Heime und Gef\u00e4ngnis. Die Biografie Ernst S. Steffens zeigt den Teufelskreis von Gewalt, Angst und Flucht auf. Es wirkt noch heute dramatisch, dass die Familie nicht vor dem gewaltt\u00e4tigen Vater gesch\u00fctzt wurde, sondern das junge Opfer, dessen Leben durch Schmerz, Sehnsucht und den Wunsch, ein Mitglied der Gesellschaft zu sein, gepr\u00e4gt ist, den M\u00fchlen der Justiz nicht entkommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 34&nbsp;Jahren&nbsp;stirbt Ernst S. Steffen im Dezember an den Folgen eines Autounfalls. Fast die H\u00e4lfte seines Lebens verbrachte er hinter Mauern und Gittern: knapp drei Jahre in Heimen und fast 14 Jahre in Strafanstalten. Nach dem Gef\u00e4ngnisaufenthalt gelang es ihm nicht, in seiner Heimatstadt Heilbronn Fu\u00df zu fassen: \u201eDas sind Tausende, die unaufh\u00f6rlich an Eurer Gleichg\u00fcltigkeit zugrunde gehen\u201c, beklagte er die stete Vorverurteilung als Ex-Gefangener. W\u00e4hrend er im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, war ihm bewusst, dass das Leben ohne ihn weiterging, was ihn zu den Zeilen bewegte: \u201eEs gibt keine Ankunft mehr f\u00fcr uns. \/ Die Ankunft ist besetzt \/ von den sieben Jahren, \/ die wir fort waren.\u201c Doch der Wunsch in Freiheit zu leben, blieb offensichtlich sein Grundbed\u00fcrfnis, denn etwa zwei Jahre vor seinem Tod schrieb er an seinen Vetter, den Verleger Siegfried Unseld: \u201eIch will frei sein \u2013 das darf mich das Leben kosten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gedichtband&nbsp;von Ernst S. Steffen \u201eWenn ich nach Hause komme. Gedicht und Prosa aus dem Gef\u00e4ngnis\u201c, der in der Kr\u00f6ner Edition Kl\u00f6pfer 2023 erschien, enth\u00e4lt ein Vorwort und ein Nachwort von Anton Knittel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tief bewegende Gedichte des Lyrikers werden zusammen mit dem Heilbronner Literaturhaus und Anton Knittel auf die B\u00fchne gebracht Von Isabell Michelberger, S\u00fcdkurier 24.05.2024 Mit einer szenischen Lesung der Gedichte von Ernst S. Steffen w\u00fcrdigten die Elftkl\u00e4ssler des Martin-Heidegger-Gymnasiums im Me\u00dfkircher Schlosskeller dessen literarisches Schaffen auf bewegende und eindrucksvolle Weise. 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